Holger Bodendorf, renommierter Sternekoch und Hotelier, führt das Landhaus Stricker auf Sylt mit Leidenschaft und Innovationswillen. Sieben Tage die Woche arbeitet er für seine Hotellerie und Gastronomie. Seit Jahrzehnten prägt er die Branche durch kreative Konzepte und ein starkes Team. Der Kern seiner gastronomischen Philosophie: Die Mitarbeitenden stehen im Mittelpunkt.
Neben seinem Erfolg im Hotel sammelte Bodendorf reichlich Erfahrung im deutschen Fernsehen, entschied sich jedoch, sich aus der Medienwelt zurückzuziehen, als diese immer mehr auf Show und Wettspiele setzte. In diesem Interview teilt er seine Erfahrungen und spricht über die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Teamarbeit für langfristigen Erfolg.
Inhaltsverzeichnis:
Vom Koch zum Hotelier: Unternehmer aus Leidenschaft
Chancen und Herausforderungen in der Hotellerie
Innovative Ideen: Wie entwickelt sich die Hotel- und Gastro-Branche weiter?
Work-Life-Balance von Unternehmer Holger Bodendorf
Herr Bodendorf, wie begann Ihre Karriere in der Gastronomie, und was hat Sie motiviert, in dieser Branche Fuß zu fassen?
Die Leidenschaft für das Kochen war bei mir von Anfang an vorhanden. Meine Mutter, die selbst eine Kochausbildung hatte, hat uns zu Hause stets mit köstlichen, hausgemachten Gerichten verwöhnt. Das hat mich geprägt und schon früh dazu inspiriert, selbst diesen Beruf zu ergreifen. Nach meiner klassischen Kochausbildung begann meine Reise – mit Stationen in Stuttgart und Hamburg, Mannheim und Zürich. 1989 führte mich mein Weg zum ersten Mal ins Landhaus Stricker, damals noch unter der Leitung von Herrn Stricker. Nach Erfahrungen als Küchenchef und mehreren erfolgreichen Jahren in anderen Restaurants übernahm ich schließlich 2001 das Landhaus Stricker komplett.
Sie führen ein Luxushotel in einer Branche, die oft als sehr anspruchsvoll gilt. Was ist Ihre Philosophie als Hotelier und Koch?
Für mich im Hotelbetrieb sind die Mitarbeitenden das Wichtigste. Das mag zunächst ungewöhnlich klingen, aber ich bin überzeugt, dass nur zufriedene Mitarbeitende für zufriedene Gäste sorgen können. Früher hieß es immer: „Der Gast ist König.“ Das stimmt auch in gewisser Weise, aber dieser Anspruch kann nur erfüllt werden, wenn Mitarbeitende glücklich und motiviert sind. Wenn ich meine Mitarbeitenden dabei unterstütze, morgens engagiert zur Arbeit zu kommen und abends glücklich nach Hause zu gehen, dann überträgt sich diese positive Einstellung automatisch auf die Gäste. Ein respektvoller und partnerschaftlicher Umgang ist die Basis unserer Unternehmenskultur.
Das Landhaus Stricker gehört zu den besten Hotels in Deutschland. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in diesem exklusiven Segment?
Eine der größten Herausforderungen ist definitiv der Fachkräftemangel, der besonders auf Sylt spürbar ist. Die Insel ist wunderschön, bietet aber wenig städtische Infrastruktur oder die Flexibilität, die viele junge Leute suchen. Man kann nicht einfach schnell nach Hamburg fahren, wenn einem danach ist. Hinzu kommen auch wirtschaftliche und regulatorische Stolpersteine, wie etwa die steigenden Energiekosten, die wir alle im Blick behalten müssen, sowie gesetzliche Vorgaben, die teilweise recht schnell geändert werden und eine hohe Anpassungsfähigkeit erfordern. All das stellt uns vor Herausforderungen, die ich aber mit einem motivierten und gut eingespielten Team bewältigen kann.
Chancen und Herausforderungen in der Hotellerie
Was tun Sie, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden?
Wir bieten unseren Angestellten viele Vorteile, wie etwa eine kostengünstige Wohnmöglichkeit. Das ist auf der Insel entscheidend, denn ohne Wohnraum ist es fast unmöglich, Mitarbeitende zu finden. Darüber hinaus haben wir ein Bonusprogramm in Form von Wertkarten, mit denen Mitarbeitende bei verschiedenen Geschäften einkaufen können. Wir sind auch Teil einer Kooperation mit anderen Luxushotels auf Sylt, wodurch unsere Mitarbeitende Rabatte in verschiedenen Betrieben erhalten – vom Friseurbesuch bis zum Autokauf. Diese Anreize sind wichtig, aber was wirklich zählt, ist das Betriebsklima. Ich sage immer: Das beste Gehalt und die tollsten Rabatte nützen nichts, wenn die Stimmung im Team nicht stimmt. Deshalb legen wir großen Wert auf offene Kommunikation und eine familiäre Atmosphäre.
Wie gehen Sie mit der Saisonalität auf Sylt um, die für viele Unternehmen auf der Insel ein Problem darstellt?
Die Saisonalität spielt eine Rolle, aber wir haben es geschafft, dem durch strategische Maßnahmen entgegenzuwirken. Ein Beispiel ist, dass wir im Januar für drei Wochen schließen, um das Haus zu warten und den Mitarbeitenden eine Pause zu gönnen. Diese Auszeit ermöglicht es dem Team, Kraft zu tanken und im restlichen Jahr motivierter zu arbeiten. Unsere Gäste kommen auch gerne im Winter, was uns hilft, eine konstante Auslastung zu haben. Natürlich gibt es immer mal Monate, in denen man wirtschaftlich in die roten Zahlen rutscht – das gehört einfach dazu. Aber das Ziel ist, über das gesamte Jahr hinweg eine gute Balance zu schaffen.
Sylt stand in letzter Zeit auch wegen negativer Schlagzeilen, wie beispielsweise den Vorfällen mit rechtsradikalen Parolen. Wie wirkt sich das auf das Image der Insel und Ihr Hotel aus?
Als bekanntes Aushängeschild Deutschlands steht Sylt besonders im Fokus. Vorfälle wie die rechtsradikalen Parolen sind inakzeptabel und werfen ein schlechtes Licht auf die gesamte Insel, obwohl sie glücklicherweise Einzelfälle sind. Solche Ereignisse dürfen nirgendwo in Deutschland passieren, und es ist wichtig, dass sie konsequent verurteilt werden. Die Insel hat viele Seiten – nicht nur Luxus und Glamour, sondern auch eine bodenständige Gemeinschaft und 400 ganz normale Gastronomiebetriebe. Trotz dieser unschönen Vorfälle bleibt Sylt ein Mythos und eine faszinierende Destination. Wir als Hotel tun alles, um ein weltoffenes und tolerantes Umfeld zu schaffen, in dem sich alle Gäste und Mitarbeitende willkommen fühlen.
Innovative Ideen: Wie entwickelt sich die Hotel- und Gastro-Branche weiter?
Nachhaltigkeit ist sehr wichtig für Ihr Haus. Was genau unternehmen Sie in diesem Bereich?
Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch viele Bereiche unseres Betriebs. Wir haben früh angefangen, auf energieeffiziente Lösungen umzusteigen. Ein Beispiel ist unser Induktionsherd, den wir 2006 eingeführt haben – damals eine echte Innovation. Zudem arbeiten wir mit einem Lastabwurfsystem, das den Energieverbrauch im Restaurant und im gesamten Hotel optimiert. Das bedeutet, dass bei Spitzenlasten bestimmte Geräte automatisch weniger Energie verbrauchen, ohne dass der Gast etwas davon merkt. Aber es geht über technische Maßnahmen hinaus. Wir vermeiden Plastik so weit wie möglich, setzen auf regionale Produkte und versuchen, jede noch so kleine Ressource bewusst zu nutzen. Zum Beispiel verwenden wir angebrochene Mineralwasserflaschen zum Blumengießen, anstatt das Wasser wegzuschütten.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Hotelbetrieb?
Wir haben digitale Lösungen implementiert, die uns helfen, effizienter zu arbeiten. Dazu gehört zum Beispiel ein System, bei dem die Heizkörper in den Zimmern automatisch an- und ausgehen, je nachdem, ob ein Zimmer belegt ist. Das spart nicht nur Energie, sondern sorgt auch für ein angenehmes Raumklima, wenn der Gast ankommt. Auch bei der Buchung setzen wir auf digitale Prozesse, sodass Gäste per QR-Code einchecken und ihren Zimmerschlüssel aufs Handy laden können. Das entlastet unsere Mitarbeiter:innen an der Rezeption und gibt ihnen die Möglichkeit, sich besser um die Anliegen der Gäste zu kümmern.
Welche weiteren Schritte planen Sie für die Zukunft, um das Landhaus Stricker weiterzuentwickeln?
Mein Ziel ist es, das Haus kontinuierlich zu verbessern, ohne den Kern dessen zu verändern, was es besonders macht. Dazu gehört, dass wir neue Konzepte entwickeln, die unseren Gästen Mehrwert bieten. Beispielsweise überlegen wir, wie wir Zimmerkategorien, die bisher weniger gut laufen, attraktiver machen. Das könnte durch spezielle Angebote geschehen, wie etwa inkludierte Weinverkostungen oder exklusive Spa-Behandlungen. Außerdem schauen wir immer, wie wir unseren Betrieb effizienter gestalten können – sowohl im Hinblick auf die Arbeitsprozesse als auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit.
Work-Life-Balance von Unternehmer Holger Bodendorf
Sie sind bekannt für Ihre Leidenschaft beim Kochen. Wie lässt sich diese Begeisterung mit Ihrer Rolle als Hotelier vereinbaren?
Das Kochen ist und bleibt meine große Leidenschaft. Ich bin gerne in der Küche und habe das Konzept eingeführt, dass die Köche selbst das Essen an die Tische der Gäste bringen und es erklären. Das schafft eine besondere Verbindung zwischen Gast und Küche und gibt den Köchen das Gefühl, direkt an der Wertschätzung teilzuhaben. Meine Rolle als Hotelier erfordert allerdings, dass ich viele Managementaufgaben übernehme. Zum Glück habe ich ein großartiges Team, das mich dabei unterstützt und mir Freiräume schafft, sodass ich immer noch aktiv am Kochen teilnehmen kann.
Was sind Ihre persönlichen Pläne und Wünsche für die Zukunft – sowohl beruflich als auch privat?
Beruflich möchte ich das Landhaus Stricker weiterhin als ein Haus führen, das Tradition und Innovation miteinander verbindet. Meine Vision ist es, das Hotel und die Gastronomie so zu gestalten, dass sie auch in Zukunft zu den besten Adressen gehören und sich dabei stetig weiterentwickeln. Privat wünsche ich mir mehr Momente, in denen ich einfach das Leben genießen kann – zum Beispiel, wenn ich Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau Nina verbringe, mit meinen Oldtimern oder meiner Harley auf Tour gehe. Ich bin glücklich mit dem, was ich erreicht habe. Aber das Leben ist kostbar, und es ist mir wichtig, sowohl im Beruf als auch im Privaten weiterhin die Balance zu finden oder zu halten, die Freude und Zufriedenheit bringt.
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